Von der Redaktion psychotherapeut-werden.de · Stand: 20.10.2026

Die Österreich-Quote im Master Psychotherapie behält 75 Prozent der Plätze Inhabern österreichischer Reifezeugnisse vor und 95 Prozent EU-Bürgern. Mit deutschem Abitur bewirbst Du Dich damit um höchstens ein Viertel der Plätze, an den öffentlichen Universitäten also um ein Viertel von 500Σ. Gleichzeitig ist die Regel befristet.
Was steht in § 71c Abs. 5 UG?
Die Quote steht im österreichischen Universitätsgesetz, in § 71c Abs. 5 UG. Zusammengefasst: Quote im Master Psychotherapie: 95 Prozent der Plätze für EU-Bürger und Gleichgestellte, 75 Prozent für Inhaber österreichischer Reifezeugnisse, Angehörige der Personengruppenverordnung und Absolventen einer einschlägigen Studienberechtigungsprüfung mit österreichischem Wohnsitz.Q
Begründet wird sie im Gesetz selbst. Der Zugang der Inhaber österreichischer Reifezeugnisse sei „durch erhöhten Zustrom von Inhaberinnen und Inhabern nicht in Österreich ausgestellter Reifezeugnisse stark beschränkt“, außerdem sei die psychotherapeutische Versorgung der Bevölkerung beeinträchtigt. Der Nationalrat hat die Regel am 15. Oktober 2025 beschlossen. Das Bundesgesetzblatt BGBl. I Nr. 68/2025 wurde am 31. Oktober 2025 ausgegeben, die Quote gilt seit dem folgenden Tag.
Wer gemeint ist, sagt die APA-Meldung zum ersten Test offen: Die Quote gelte „trotz des hohen Anteils Deutscher im Zubringer-Bachelorstudium Psychologie, die nach dem Abschluss meist nicht im Land bleiben“. Die Regel zielt also genau auf Dich, wenn Du mit deutschem Abitur kommst.
95 und 75 Prozent: So funktioniert die Rechnung
Zwei Grenzen gelten nebeneinander.
- 75 Prozent der Plätze für Studienanfänger stehen den drei österreichischen Gruppen zur Verfügung (Reifezeugnis aus Österreich, Personengruppenverordnung, einschlägige Studienberechtigungsprüfung). Alle anderen Bewerber teilen sich also höchstens ein Viertel.
- 95 Prozent sind EU-Bürgern und ihnen Gleichgestellten vorbehalten. Bewerber aus Drittstaaten ohne österreichisches Reifezeugnis kommen damit höchstens auf 5 Prozent.
- Für Dich als EU-Bürger mit deutschem Abitur gilt die erste Grenze: höchstens ein Viertel der Plätze eines Standorts.
Aus diesen 5 Prozent dürfen außerdem Plätze „für Aufgaben im öffentlichen Interesse“ gewidmet werden (§ 71c Abs. 5a UG). Laut APA hat 2026 weder ein Bundesland noch die Österreichische Gesundheitskasse solche Plätze gewidmet.
Das Viertel ist eine Obergrenze. Ob Plätze aus dem 75-Prozent-Kontingent, die nicht besetzt werden, an andere Bewerber gehen, haben wir in den veröffentlichten Unterlagen nicht geregelt gefunden. Plane deshalb mit dem Viertel als Obergrenze, nicht als Erwartung.
Wer zählt als „österreichisch“?
Für die größte Gruppe entscheidet nicht die Staatsangehörigkeit, sondern das Reifezeugnis. Die 75 Prozent stehen nach dem Wortlaut drei Gruppen offen:
- Inhabern „in Österreich ausgestellter Reifezeugnisse“,
- Angehörigen der Personengruppen nach der Personengruppenverordnung,
- Absolventen einer fachlich einschlägigen Studienberechtigungsprüfung nach § 64a UG, wenn sie selbst oder ein Unterhaltspflichtiger mindestens fünf zusammenhängende Jahre unmittelbar vor der Prüfung ihren Hauptwohnsitz in Österreich hatten.
Daraus folgt eine Konsequenz, die viele unterschätzen: Ein Bachelor in Wien, Graz oder Innsbruck macht Dich nicht zum Teil der Quote. Wer mit deutschem Abitur in Österreich Psychologie studiert hat, bleibt beim Master im Viertel für die übrigen Bewerber. Wer dagegen in Österreich maturiert hat, zählt zu den 75 Prozent, auch mit deutschem Pass. Wen die Personengruppenverordnung im Einzelnen erfasst, haben wir nicht ausgewertet; im Zweifel fragst Du direkt beim Standort nach.
Rechenbeispiel: Wie viele Plätze je Standort?
Die Höchstzahl für Bewerber ohne österreichisches Reifezeugnis ist ein Viertel der Plätze des jeweiligen Standorts (eigene Rechnung):
| Standort | Plätze 2026/27 | Davon höchstens ohne österreichisches Reifezeugnis |
|---|---|---|
| Graz | 140Q | höchstens 35 der 140 Plätze (25 %; 75 % sind Inhabern österreichischer Reifezeugnisse u. a. vorbehalten)Q |
| Innsbruck | 100Q | höchstens 25 der 100 Plätze (25 %; 75 % sind Inhabern österreichischer Reifezeugnisse u. a. vorbehalten)Q |
| Krems | 80Q | höchstens 20 der 80 Plätze (25 %; 75 % sind Inhabern österreichischer Reifezeugnisse u. a. vorbehalten)Q |
| Linz | 50Q | Rundung nicht belegt |
| Salzburg | 50Q | Rundung nicht belegt |
| Klagenfurt | 40Q | höchstens 10 der 40 Plätze (25 %; 75 % sind Inhabern österreichischer Reifezeugnisse u. a. vorbehalten)Q |
| Wien | 40Q | höchstens 10 der 40 Plätze (25 %; 75 % sind Inhabern österreichischer Reifezeugnisse u. a. vorbehalten)Q |
In Linz und Salzburg ergibt ein Viertel keine ganze Zahl. Wie die beiden Verordnungen runden, steht in unseren Quellen nicht, deshalb nennen wir dort keinen Wert.
Was das praktisch heißt, zeigt Innsbruck, die einzige Universität, die die Herkunft der Testteilnehmer veröffentlicht hat: 150, davon 65 aus Deutschland und 72 aus ÖsterreichQ. Die Teilnehmer aus Deutschland stellten damit gut 40 Prozent aller, die angetreten sind, und kämpften, soweit sie kein österreichisches Reifezeugnis hatten, um höchstens ein Viertel der Plätze. Ob „Herkunft“ im Innsbrucker PDF die Staatsangehörigkeit oder das Reifezeugnis meint, erklärt die Universität nicht.
In Wien ist die Lage noch enger. Für 40Q Plätze traten 282Q Personen an, für Bewerber ohne österreichisches Reifezeugnis gab es höchstens ein Viertel davon. Wie viele der Wiener Teilnehmer aus Deutschland kamen, ist nicht veröffentlicht.
Eine echte Erfolgsquote nach Kontingent kann niemand seriös ausrechnen, weil die Universitäten die Ergebnisse nicht getrennt nach Gruppen veröffentlichen. Mit dem Kontingent-Rechner kannst Du aber für jeden Standort durchspielen, gegen wie viele Mitbewerber Du rechnerisch antrittst. Alle Plätze, Registrierungen und Teilnehmerzahlen stehen im Datenhub Master Psychotherapie in Österreich.
Hat die EU-Kommission die Quote gebilligt?
Eine ausdrückliche Zustimmung der EU-Kommission ist nicht veröffentlicht (Stand 19.10.2026). Die Quote gilt trotzdem: Sie ist geltendes österreichisches Recht und wurde beim Test 2026 angewendet.
Die Spur in den Dokumenten ist dünn. Laut Begründung des Gesetzesantrags wird der Bedarf an Psychotherapeuten „im Austausch mit der Europäischen Kommission laufend evaluiert“. Die Wissenschaftsministerin sagte im Nationalrat, sie sei „im positiven Austausch mit der EU“. Die FAQ der Universitäten auf psychotherapiestudieren.at schreibt noch, das Vorhaben müsse „noch von der EU-Kommission gebilligt werden“; dieselbe FAQ nennt allerdings weiter den Testtag 2026 und ist erkennbar nicht aktualisiert.
Für die Medizin gibt es einen Präzedenzfall. Dort beendete die Kommission am 17. Mai 2017 das Vertragsverletzungsverfahren zur Quote, so steht es in den Erläuterungen zur UG-Novelle 2018. Ein vergleichbares Dokument zur Psychotherapie-Quote haben wir nicht gefunden. Eine Prognose, wie die Kommission entscheidet, geben wir nicht ab.
Wie lange gilt die Quote?
Sicher nur bis Ende 2027. Die österreichischen Zugangsregeln (§§ 71a–71d UG) treten mit Ablauf des 31.12.2027 außer Kraft; den Evaluierungsbericht muss das Ministerium dem Nationalrat spätestens im Dezember 2026 vorlegen.Q Für das Aufnahmeverfahren 2027 gilt sie noch, für das Studienjahr 2028/29 gibt es Stand heute keine Rechtsgrundlage. Österreich: §§ 71a–71d UG sind unverändert befristet; ein Entwurf zur Verlängerung liegt nicht vor; das Regierungsprogramm 2025–2029 kündigt eine „Grundsatzrevision“ der universitären Zugangsregeln „bis Ende 2026“ an.Q Im selben Regierungsprogramm steht, für Zahnmedizin und Psychotherapie seien „entsprechende Regelungen neu zu schaffen“. Belegt ist damit nur die Absicht, ein Entwurf liegt nicht vor.
Wo die Quote nicht gilt
Im Bachelor Psychologie in Österreich gibt es keine Quote; dort zählt nur der Testrang. Auch an den Privatuniversitäten, die einen Master nach dem PThG 2024 anbieten, gilt sie nach unserer Prüfung nicht: § 71c steht im Universitätsgesetz, das Privathochschulgesetz enthält keine vergleichbare Regel. Dafür kosten diese Studien mehrere tausend Euro pro Semester.
Und noch ein Punkt, der in der Quotendebatte untergeht: Selbst mit Masterplatz führt der österreichische Weg nicht direkt zur deutschen Approbation. Wenn Dein Ziel eine Kassenzulassung in Deutschland ist, ist der Master Psychotherapie in Deutschland die direkte Route. Warum ein österreichischer Bachelor dafür riskant ist, steht im Artikel Mit österreichischem Bachelor zurück nach Deutschland.
Häufige Fragen
Wie viele Plätze im österreichischen Master Psychotherapie stehen Bewerbern mit deutschem Abitur offen?
Höchstens ein Viertel je Standort, weil 75 Prozent der Plätze Inhabern österreichischer Reifezeugnisse und zwei weiteren Gruppen vorbehalten sind. In Wien sind das höchstens 10 von 40 Plätzen, in Graz höchstens 35 von 140.
Zähle ich zur Quote, wenn ich meinen Bachelor in Österreich gemacht habe?
Nach dem Wortlaut von § 71c Abs. 5 UG nicht. Entscheidend ist, ob Dein Reifezeugnis in Österreich ausgestellt wurde, nicht wo Du studiert hast.
Gilt die Quote auch im Bachelor Psychologie?
Nein. Sie gilt nur für Humanmedizin und den Master Psychotherapie. Im Bachelor Psychologie zählt allein der Rang im Aufnahmetest.
Hat die EU-Kommission die Quote genehmigt?
Eine ausdrückliche Zustimmung der EU-Kommission ist nicht veröffentlicht (Stand 19.10.2026). Die Quote ist trotzdem geltendes Recht und wurde 2026 angewendet.
Gilt die Quote an Privatuniversitäten?
Nach unserer Prüfung nicht. Die Regel steht im Universitätsgesetz, das Privathochschulgesetz enthält keine vergleichbare Bestimmung.
Quellen
- Universitätsgesetz 2002 (UG), §§ 71c, 143 (RIS), § 71c Abs. 5 und 5a; § 143 Abs. 42 und 107 (abgerufen 19.10.2026)
- BGBl. I Nr. 68/2025 (UG-Novelle, Österreich-Quote Psychotherapie) (abgerufen 18.10.2026)
- Parlament Österreich: Nationalrat beschließt Österreich-Quote für neues Psychotherapiestudium (15.10.2025) (abgerufen 18.10.2026)
- Parlamentskorrespondenz Nr. 898 vom 15.10.2025 (abgerufen 19.10.2026)
- Initiativantrag 412/A (XXVIII. GP), Begründung (abgerufen 19.10.2026)
- Regierungsvorlage 10 d.B. (XXVI. GP), Erläuterungen zur Medizin-Quote (abgerufen 19.10.2026)
- psychotherapiestudieren.at: FAQ, FAQ Nr. 4 (abgerufen 19.10.2026)
- Regierungsprogramm 2025–2029, S. 218 (abgerufen 19.10.2026)
- APA/Tiroler Tageszeitung: 1.300 Bewerbungen für neues Psychotherapie-Masterstudium (06.07.2026) (abgerufen 18.10.2026)
- Universität Innsbruck: Herkunft der Teilnehmer, Master Psychotherapie 2026/27 (abgerufen 19.10.2026)
- Privathochschulgesetz (PrivHG) (RIS) (abgerufen 19.10.2026)
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