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Österreich

Mit österreichischem Bachelor zurück nach Deutschland: der Master-Haken

Von der Redaktion psychotherapeut-werden.de · Stand: 20.10.2026

Leerer Bahnsteig mit Gleisen

Ein Psychologie-Bachelor aus Österreich öffnet den deutschen Master Psychotherapie nicht automatisch. Die Anerkennung in Deutschland hängt an § 9 PsychThG: Der Master darf nur Bewerber mit festgestelltem polyvalentem Bachelor oder einem inhaltlich gleichwertigen Abschluss aufnehmen. Österreichische Studiengänge sind darauf nicht ausgelegt, vor allem die Praktika fehlen. Entscheiden musst Du deshalb vor Studienbeginn.

Warum der österreichische Bachelor meist nicht reicht

Der deutsche Master Klinische Psychologie und Psychotherapie ist berufsrechtlich nur anerkannt, wenn die Hochschule den Zugang begrenzt: auf einen Bachelor, bei dem die Landesbehörde die Einhaltung der berufsrechtlichen Voraussetzungen festgestellt hat, oder auf einen gleichwertigen Abschluss. Gleichwertig ist ein Abschluss nach § 9 Abs. 4 Satz 6 PsychThG, wenn seine „Lernergebnisse inhaltlich den Anforderungen dieses Gesetzes“ und der Approbationsordnung entsprechen.

Was das konkret heißt, steht in der Approbationsordnung. Approbationsrelevant sind 180 ECTS: im Bachelor 82 ECTS hochschulische Lehre und 19 ECTS Praxiseinsätze, im Master 54 ECTS Lehre und 25 ECTS Praxiseinsätze.Q Dazu kommen drei Praktika im Bachelor: Bachelor-Praktika: Forschungsorientiertes Praktikum I 6 ECTS, Orientierungspraktikum 5 ECTS, Berufsqualifizierende Tätigkeit I 8 ECTS; die BQT I nur in Einrichtungen, in denen Psychotherapeuten, PP oder KJP tätig sind, und erst nach 60 ECTS.Q Ein österreichischer Psychologie-Bachelor deckt die Psychologie-Grundlagen und die Methodenlehre in der Regel ab. Welche Inhalte typischerweise fehlen, verrät das Zusatzangebot der Uni Wien weiter unten: Berufsethik und Recht, Medizin und Pharmakologie, Verfahrenslehre und ein Praktikum. Die zehn Bereiche mit ihren Mindest-ECTS findest Du im Artikel zum polyvalenten Bachelor.

Wie streng die Praxis ist, zeigen zwei Stimmen. Die Uni Kassel schreibt zu Auslandsabschlüssen, die Studiengänge im Ausland setzten „in der Regel nicht alle Anforderungen der neuen PsychThApprO“ um, eine Zulassung sei daher „eher schwierig“. Und nach Angabe des CHE hält die Deutsche Gesellschaft für Psychologie den Wechsel vom Auslandsbachelor in den deutschen Master „in der Regel mit einzelnen Ausnahmen nicht realisierbar“.

Wer entscheidet über die Gleichwertigkeit?

Zwei Stellen, nacheinander. Zuerst prüft die deutsche Master-Uni im Zulassungsverfahren. Danach brauchst Du für die Zulassung zur Staatsprüfung einen eigenen Bescheid der Landesbehörde: Zugang zum approbationsrelevanten Master nur mit festgestelltem Bachelor oder einem gleichwertigen Studienabschluss; über die Gleichwertigkeit erteilt die Landesstelle auf Antrag einen gesonderten Bescheid.Q Diesen Bescheid legst Du mit dem Antrag auf Zulassung zur psychotherapeutischen Prüfung vor (§ 22 Abs. 1 Nr. 5 PsychThApprO).

Darin steckt ein Risiko, das viele übersehen. Die Uni kann Dich zulassen, und die Behörde verweigert den Bescheid trotzdem. Dann hast Du einen Master begonnen, ohne sicher zur Prüfung zu kommen. Die Länder handhaben ausländische Abschlüsse zudem unterschiedlich. Zwei Beispiele: Baden-Württemberg: Es zählen nur Leistungen vor dem Bachelorabschluss; der Bescheid kostet 75 Euro; bei ausländischen Bachelorabschlüssen müssen die Praktika in nach §§ 14, 15 PsychThApprO geeigneten Einrichtungen absolviert worden sein.Q NRW: Ausländische Bachelorabschlüsse legt das Landesprüfungsamt der ZAB zur gutachterlichen Stellungnahme vor; die amtliche Liste anerkannter Studiengänge umfasst 21 Einträge (Stand 22.04.2025).Q Welche Stelle in Deinem Land zuständig ist und was der Bescheid kostet, zeigt die Übersicht der Bundesländer; den Ablauf erklärt der Artikel zur Gleichwertigkeit des Bachelors.

Nachholen nach dem Abschluss? Meist ausgeschlossen

Wer erst nach dem österreichischen Bachelor merkt, dass etwas fehlt, hat in den meisten Ländern keine Chance mehr. Das Nachholen fehlender Bachelorinhalte nach dem Abschluss ist in Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Thüringen ausdrücklich ausgeschlossen; der Gleichwertigkeitsbescheid kostet in Berlin 110 Euro, auch bei Ablehnung.Q Auch die Uni Gießen schreibt, Module könnten nur innerhalb des Bachelorstudiengangs erworben werden; eine Nachschulung nach dem Abschluss oder im Master scheidet aus.

Nordrhein-Westfalen ist etwas offener: Ein Master mit nicht anerkanntem oder ausländischem Bachelor ist nicht ausgeschlossen. Ohne Nachqualifizierung durch die aufnehmende Uni hält das Landesprüfungsamt die Gleichwertigkeit aber für kaum erreichbar, vor allem bei den Praktika.Q Verlassen kannst Du Dich darauf nicht, denn Du weißt beim Studienstart in Österreich noch nicht, an welcher deutschen Uni Du später einen Masterplatz bekommst.

Die Konsequenz ist eindeutig: Alles, was fehlt, muss während des österreichischen Bachelors passieren.

Was österreichische Universitäten anbieten

Am konkretesten ist die Universität Klagenfurt. Sie hat eine eigene Seite zum polyvalenten Bachelor: Laut Uni überschneidet sich der Bachelor großteils mit dem deutschen polyvalenten Bachelor; einige Lehrveranstaltungen fehlen. Für den deutschen Master empfiehlt die Uni eine bestimmte Wahlfachkombination, ein zusätzliches Orientierungspraktikum (150 Stunden) und ein Praktikum von 240 statt 200 Stunden. Ein Orientierungspraktikum in Österreich erkennen deutsche Unis laut AAU erfahrungsgemäß nicht an. Die Entscheidung trifft die deutsche Uni bzw. Landesbehörde im Einzelfall.Q Laut CHE haben auch Salzburg und Klagenfurt ein Wahlmodul „Psychotherapeutische Grundlagenfächer“ und Innsbruck zusätzliche Lehrveranstaltungen, jeweils ohne Garantie für den Wechsel.

Die Universität Wien bietet über ihr Postgraduate Center das Zertifikat „Grundlagen der Psychologischen Psychotherapie“ an. Es umfasst 30 ECTS mit Berufsethik und Recht, Medizin und Pharmakologie, Verfahrenslehre sowie ein Praktikum von 240 Stunden mit Supervision. Zugelassen sind Psychologie-Studierende an österreichischen Universitäten ab 40 ECTS. Die Kosten: 800 Euro pro Semester, bei vier Semestern 3.200 Euro. Zwei Einschränkungen nennt die Uni selbst. Für den deutschen Master zählt das Zertifikat nur studienbegleitend, also als Teil des Bachelors. Und das Praktikum muss für den deutschen Master in Deutschland absolviert werden.

Zwei Privatuniversitäten werben ebenfalls mit Ausrichtung auf Deutschland. Die UMIT TIROL: Inhalte laut UMIT seit WS 2020 an der deutschen Approbationsordnung ausgerichtet; eine Bestätigung durch eine deutsche Landesbehörde ist nicht veröffentlicht, über den Zugang zum deutschen Master entscheidet der EinzelfallQ. Die Bertha von Suttner Privatuniversität: laut Hochschule polyvalent auf den deutschen Master Klinische Psychologie und Psychotherapie ausgerichtet; eine Bestätigung durch eine deutsche Landesbehörde ist nicht veröffentlichtQ. Das sind Selbstaussagen der Hochschulen, keine amtlichen Feststellungen. Dass eine deutsche Landesbehörde einen dieser Studiengänge bestätigt hätte, haben wir nicht gefunden.

Die Praktika: der härteste Punkt

Bei den Praktika scheitern Auslandsabschlüsse am häufigsten. Die Uni Kassel verlangt, dass Orientierungspraktikum (150 Stunden) und Berufsqualifizierende Tätigkeit I (240 Stunden) „im Rahmen des Bachelorstudiums“ und „in Deutschland“ absolviert werden. Die Uni Klagenfurt bestätigt das: Ein Orientierungspraktikum in Österreich werde von deutschen Universitäten oder Prüfungsämtern „erfahrungsgemäß“ nicht anerkannt. Für die Berufsqualifizierende Tätigkeit I kommt hinzu, dass sie nur in Einrichtungen zählt, in denen approbierte Psychotherapeuten arbeiten.

Für Dich heißt das: Plane beide Praktika in Deutschland ein, in den Semesterferien und als Teil Deines Studiums, nicht als lose Zusatzleistung. Die Uni Gießen etwa erkennt Leistungen außerhalb des Curriculums nicht an. Lass Dir alles von Deiner österreichischen Universität bestätigen, solange Du dort eingeschrieben bist. Dafür gibt es eine Vorlage des Fakultätentags Psychologie, die auch eine Heimathochschule mit Sitz im Ausland ausfüllen kann. Sie ordnet Deine Module den Bereichen der Anlage 1 zu, ausdrücklich mit dem Vermerk, dass Inhalte im Rahmen des Bachelorstudiums erbracht sein müssen, „nicht nach Abschluss!“.

Der lange Weg: komplett in Österreich

Es gibt eine zweite Route, die rechtlich sauberer, aber deutlich länger ist: die ganze österreichische Ausbildung. Der österreichische Master allein führt nicht zur deutschen Approbation. Anerkennung in Deutschland erst nach abgeschlossener österreichischer Ausbildung (Fachausbildung, Approbationsprüfung, Eintragung in die Berufsliste) über § 12 PsychThG mit Gleichwertigkeitsprüfung, ggf. Eignungsprüfung oder Anpassungslehrgang.Q Rechtsgrundlage ist dann § 12 PsychThG für Berufsqualifikationen aus EU-Staaten: Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen: Drittstaaten nach § 11 (Ausgleich durch Kenntnisprüfung), EU/EWR und gleichgestellte Staaten nach § 12 (Anpassungslehrgang bis drei Jahre oder Eignungsprüfung, mit Wahlrecht).Q

Diese Route hat zwei Hürden. Schon der österreichische Master hat eine Quote, die Bewerber mit deutschem Abitur auf höchstens ein Viertel der Plätze begrenzt, nachzulesen im Artikel zur Österreich-Quote. Und Merkblätter deutscher Landesbehörden speziell zu Abschlüssen nach dem neuen österreichischen Psychotherapiegesetz haben wir nicht gefunden. Absolventen nach dem neuen österreichischen Recht gibt es frühestens nach dem Master ab 2028 plus Fachausbildung, eine Verwaltungspraxis existiert also noch nicht.

Unsere Einschätzung: vor Studienbeginn entscheiden

Wenn Dein Ziel die deutsche Approbation ist, bleibt ein polyvalenter Bachelor in Deutschland der sichere Weg. Das CHE warnt, ein Psychologie-Bachelor im Ausland könne für den Wechsel in den deutschen Master „schnell zur Sackgasse werden“; „Im schlechtesten Fall wird der Bachelor nicht anerkannt“ (Cort-Denis Hachmeister).Q Ein österreichischer Bachelor kann funktionieren, aber nur mit Plan: Standort mit passendem Wahlangebot wählen, Praktika in Deutschland ins Studium einbauen, die Zuordnung zur Anlage 1 vor dem Abschluss bestätigen lassen und früh bei den deutschen Master-Unis nachfragen, die für Dich in Frage kommen.

Ob Dein konkreter Abschluss Lücken hat, kannst Du mit dem Anerkennungs-Check grob abschätzen. Verbindlich entscheiden nur Master-Uni und Landesbehörde. Die Zahlen zum Aufnahmetest in Österreich findest Du im Datenhub Psychologie studieren in Österreich.

Häufige Fragen

Wird ein österreichischer Psychologie-Bachelor in Deutschland für den Master Psychotherapie anerkannt?

Nicht automatisch. Die deutsche Master-Uni und die zuständige Landesbehörde prüfen im Einzelfall, ob der Abschluss inhaltlich gleichwertig ist (§ 9 Abs. 4 und 5 PsychThG). Österreichische Studiengänge sind nicht auf die deutsche Approbationsordnung ausgelegt, vor allem die Praktika fehlen oft.

Kann ich fehlende Inhalte nach dem Bachelor nachholen?

In Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Thüringen schließen die Behörden das ausdrücklich aus. Fehlendes muss vor dem Bachelorabschluss erbracht sein.

Was kostet das Zertifikat der Uni Wien für den deutschen Master?

Das Zertifikat „Grundlagen der Psychologischen Psychotherapie“ am Postgraduate Center der Uni Wien kostet 800 Euro pro Semester, bei vier Semestern 3.200 Euro. Für den deutschen Master zählt es nur, wenn Du es während des Bachelors absolvierst.

Muss ich die Praktika in Deutschland machen?

Die Uni Kassel verlangt, dass Orientierungspraktikum und Berufsqualifizierende Tätigkeit I im Rahmen des Bachelors und in Deutschland absolviert werden. Auch die Uni Klagenfurt schreibt, ein in Österreich absolviertes Orientierungspraktikum werde von deutschen Universitäten erfahrungsgemäß nicht anerkannt.

Gibt es einen anderen Weg zur deutschen Approbation über Österreich?

Ja, aber einen langen: die komplette österreichische Ausbildung bis zur Eintragung in die Berufsliste und danach eine Anerkennung nach § 12 PsychThG mit Gleichwertigkeitsprüfung.

Quellen

  1. Psychotherapeutengesetz (PsychThG), §§ 9, 12, § 9 Abs. 4 Satz 5 und 6, Abs. 5; § 12 Abs. 1 und 3 (abgerufen 18.10.2026)
  2. Approbationsordnung für Psychotherapeuten (PsychThApprO), §§ 13–15, § 22 Abs. 1 Nr. 5, Anlage 1 (abgerufen 18.10.2026)
  3. Universität Kassel: FAQs zur Zulassung Master Klinische Psychologie und Psychotherapie (abgerufen 18.10.2026)
  4. Universität Klagenfurt: Informationen zum polyvalenten Bachelor (abgerufen 18.10.2026)
  5. Universität Wien, Postgraduate Center: Grundlagen der Psychologischen Psychotherapie (abgerufen 18.10.2026)
  6. CHE: kurz+kompakt „Psychotherapie studieren“ (2026), Auslandsteil (abgerufen 19.10.2026)
  7. Fakultätentag Psychologie: Dokumentenvorlage Anerkennung Bachelor, Version 9 (2025) (abgerufen 18.10.2026)
  8. Universität Gießen: Bewerbung ohne berufsrechtliche Anerkennung (abgerufen 18.10.2026)
  9. Universität Gießen: FAQ Master Psychotherapie, Frage 4 (abgerufen 18.10.2026)

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