Von der Redaktion psychotherapeut-werden.de · Stand: 20.10.2026

Ärztlicher Psychotherapeut werden heißt: Medizin studieren und danach eine ärztliche Weiterbildung mit psychotherapeutischem Schwerpunkt absolvieren. Ärzte dürfen die Berufsbezeichnung Psychotherapeut führen, mit dem Zusatz „ärztlicher“ (§ 1 Abs. 1 PsychThG). Ihre Weiterbildung regelt aber nicht das Psychotherapeutengesetz, sondern das Recht der Ärztekammern.
Es gibt also zwei Berufswege zur Psychotherapie, die rechtlich fast nichts miteinander zu tun haben. Der eine führt über Psychologie, Master Psychotherapie und die Approbation als Psychotherapeut. Der andere führt über das Medizinstudium und die ärztliche Approbation. Dieser Artikel vergleicht beide, so weit unsere Quellen reichen, und sagt offen, wo sie aufhören.
Was das Gesetz zum ärztlichen Psychotherapeuten sagt
Das Psychotherapeutengesetz schützt die Berufsbezeichnung, nimmt Ärzte aber ausdrücklich aus. Nach § 1 Abs. 1 PsychThG darf die Bezeichnung „von anderen Personen als Ärztinnen und Ärzten, Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychologischen Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten nicht geführt werden“. Der nächste Satz erlaubt Ärzten den Zusatz „ärztliche“ oder „ärztlicher“.
Für die Behandlung selbst brauchen Ärzte keine weitere Erlaubnis. Das Heilpraktikergesetz verlangt eine Erlaubnis nur von dem, der Heilkunde ausüben will, „ohne als Arzt bestallt zu sein“ (§ 1 Abs. 1 HeilprG). Die psychotherapeutische Qualifikation von Ärzten ergibt sich aus der ärztlichen Weiterbildung der Landesärztekammern.
An einer Stelle arbeiten beide Berufe eng zusammen: Ob ein Psychotherapieverfahren wissenschaftlich anerkannt ist, beurteilt in Zweifelsfällen der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie, den Bundespsychotherapeutenkammer und Bundesärztekammer gemeinsam bilden (§ 8 PsychThG).
Zwei Berufswege im Vergleich
| Weg über Psychologie | Weg über Medizin | |
|---|---|---|
| Studium | polyvalenter Bachelor und Master Psychotherapie, fünf Jahre in Vollzeit (§ 9 PsychThG) | Medizinstudium |
| Approbation | als Psychotherapeut nach § 2 PsychThG | als Arzt |
| Berufsbezeichnung | Psychotherapeut | ärztlicher Psychotherapeut (§ 1 Abs. 1 PsychThG) |
| Weiterbildung | bei der Psychotherapeutenkammer, mindestens 60 Monate in Vollzeit | bei der Landesärztekammer, nach deren Weiterbildungsordnung |
| Bedarfsplanung der Kassen | eine gemeinsame Arztgruppe (§ 101 Abs. 4 SGB V) | eine gemeinsame Arztgruppe (§ 101 Abs. 4 SGB V) |
| Anerkennung im EU-Ausland | allgemeines System mit Einzelfallprüfung | Arzt und Facharzt mit automatischer Anerkennung (Art. 21 RL 2005/36/EG) |
Die Zeile zur Bedarfsplanung zeigt, wo sich die Wege wieder treffen. § 101 Abs. 4 S. 1 SGB V sagt: „Überwiegend oder ausschließlich psychotherapeutisch tätige Ärzte und Psychotherapeuten bilden eine Arztgruppe.“ In der Bedarfsplanung für die ambulante Kassenversorgung zählen beide also zur selben Gruppe.
Die letzte Zeile ist ein echter Unterschied. Psychotherapeut ist kein Beruf mit automatischer Anerkennung nach der Richtlinie 2005/36/EG; die Anerkennung läuft im allgemeinen System mit Einzelfallprüfung.Q Arzt und Facharzt stehen dagegen in Anhang V der Richtlinie und werden in der EU automatisch anerkannt. Welche Facharztrichtungen dort im Einzelnen aufgeführt sind, haben wir nicht geprüft. Wer mit dem Gedanken spielt, später im europäischen Ausland zu arbeiten, sollte diesen Punkt bei der Studienwahl trotzdem kennen.
Welche Fachärzte arbeiten psychotherapeutisch?
Im Gesundheitssystem tauchen mehrere ärztliche Fachrichtungen mit Bezug zur Psychotherapie auf. Das Sozialgesetzbuch spricht etwa von einer „psychiatrischen, psychosomatischen oder psychotherapeutischen Krankenhausbehandlung“ (§ 28 Abs. 3 SGB V in der Fassung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes). Dasselbe Gesetz nennt außerdem eine „kinder- und jugendpsychiatrische Grundversorgung“.
Welche Facharztbezeichnungen es genau gibt, wie lange die jeweilige Weiterbildung dauert und welcher Anteil auf Psychotherapie entfällt, steht in der Weiterbildungsordnung der zuständigen Landesärztekammer. Diese Ordnung haben wir für diesen Artikel nicht im Wortlaut geprüft. Deshalb nennen wir hier keine Dauer und keine Inhalte der ärztlichen Weiterbildung. Lies sie bei Interesse direkt bei der Ärztekammer Deines Bundeslandes nach.
Dauer: was belegt ist und was nicht
Für den psychologischen Weg sind die Mindestzeiten gesetzlich und in der Musterordnung festgelegt. Das Studium findet an Universitäten oder ihnen gleichgestellten Hochschulen statt, dauert in Vollzeit fünf Jahre und umfasst 300 ECTS-Punkte.Q Danach folgt die Weiterbildung zum Fachpsychotherapeuten mit mindestens 60 Monaten in Vollzeit.Q Zusammen sind das mindestens zehn Jahre, Details im Artikel zur Dauer der Psychotherapeuten-Ausbildung.
Für den ärztlichen Weg können wir keine belastbare Gesamtrechnung aufstellen. Weder die Dauer des Medizinstudiums noch die Dauer der Facharztweiterbildung stammen aus Quellen, die wir für dieses Portal im Wortlaut geprüft haben. Eine Aussage wie „über Medizin geht es schneller“ oder „langsamer“ wäre deshalb geraten.
Zugang: Psychologie und Medizin im Bewerbervergleich
Beide Studiengänge sind begehrt. Einen belegten Vergleich gibt es vom CHE: Auf die rund 5.500 Psychologie-Studienplätze bewarben sich im Wintersemester 2021/22 laut Stiftung für Hochschulzulassung rund 40.000 Studieninteressierte, das CHE rechnete daraus ein Verhältnis von 7,2 Bewerbungen pro Platz. In Medizin lag der Wert bei 3,8. Seitdem ist das Verhältnis in Psychologie gesunken: Im Wintersemester 2025/26 kamen auf gut 6.000 Anfänger an staatlichen Universitäten rund 33.000 Bewerbungen.Q Aktuelle Vergleichszahlen für Medizin führen wir nicht.
Im Psychologie-Weg kommt nach dem Bachelor eine zweite Auswahlhürde, der Master Psychotherapie. Bayern 2025/26: 640 Bachelorplätze Psychologie und 360 Master-Psychotherapie-Plätze (Bamberg 45, Erlangen 75, LMU 75, Regensburg 45, Würzburg 75, Eichstätt 45); die Staatsregierung hält das Angebot für „der Nachfrage gerecht“.Q Wie es an den einzelnen Standorten aussieht, zeigt die Übersicht Master Psychotherapie.
Für wen der Umweg über Medizin passt
Die Entscheidung hängt weniger an Paragrafen als an Deinen Interessen. Das Medizinstudium ist breiter angelegt; Psychotherapie ist danach eine von mehreren Richtungen, für die Du Dich erst in der ärztlichen Weiterbildung entscheidest. Im polyvalenten Psychologie-Bachelor sind Medizin und Pharmakologie dagegen nur Grundlagenfächer mit wenigen Pflicht-ECTS.Q Dafür steht die Psychologie mit Diagnostik, Störungslehre und Methoden im Mittelpunkt.
Der ärztliche Weg passt eher, wenn Dich die Schnittstelle von Körper und Psyche reizt und Du offen sein willst für andere medizinische Fächer. Der psychologische Weg passt eher, wenn Du sicher bist, psychotherapeutisch arbeiten zu wollen, und Dich Psychologie als Wissenschaft interessiert. Ein Fehler wäre es, Medizin nur als Ausweichroute zu wählen, weil der Psychologie-NC zu hoch ist. Du würdest viele Jahre in ein Fach investieren, das Dich vielleicht nur am Rand interessiert.
Den psychologischen Weg Schritt für Schritt erklärt der Leitartikel Psychotherapeut werden. Wie sich Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater rechtlich unterscheiden, steht im Artikel Psychologe, Psychotherapeut, Psychiater. Welcher Weg zu Deiner Ausgangslage passt, kannst Du im Wegweiser durchspielen.
Häufige Fragen
Darf sich ein Arzt Psychotherapeut nennen?
Ja. Nach § 1 Abs. 1 PsychThG dürfen neben approbierten Psychotherapeuten auch Ärzte die Berufsbezeichnung führen. Sie können den Zusatz „ärztlicher“ verwenden.
Wer regelt die Weiterbildung ärztlicher Psychotherapeuten?
Die Landesärztekammern mit ihren Weiterbildungsordnungen. Das Psychotherapeutengesetz und die Weiterbildungsordnungen der Psychotherapeutenkammern gelten für diesen Weg nicht.
Ist der Weg über Medizin schneller als über Psychologie?
Das lässt sich mit unseren Quellen nicht seriös beantworten, weil wir die ärztliche Weiterbildungsordnung nicht im Wortlaut geprüft haben. Belegt ist nur der psychologische Weg: fünf Jahre Studium und mindestens 60 Monate Weiterbildung.
Ist ein deutscher Facharzttitel im EU-Ausland leichter anerkannt?
Arzt und Facharzt gehören nach Art. 21 der Richtlinie 2005/36/EG zu den Berufen mit automatischer Anerkennung, Psychotherapeuten nicht. Welche Facharztrichtungen im Einzelnen erfasst sind, haben wir nicht geprüft.
Quellen
- Psychotherapeutengesetz (PsychThG), § 1 Abs. 1–2, § 8, § 9 (abgerufen 18.10.2026)
- Heilpraktikergesetz (HeilprG), § 1 Abs. 1 (abgerufen 18.10.2026)
- Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen (Ursprungsfassung), Art. 21 Abs. 1, Anhang V (abgerufen 18.10.2026)
- § 101 SGB V, Abs. 4 S. 1 (abgerufen 18.10.2026)
- GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 24.07.2026, BGBl. 2026 I Nr. 228, Art. 1 Nr. 11 Buchst. c (§ 28 Abs. 3 SGB V), Nr. 34 (§ 87d SGB V) (abgerufen 19.10.2026)
- CHE: Psychologiestudium im Ausland: Problematischer Wechsel in den deutschen Master (15.05.2023) (abgerufen 19.10.2026)
- BPtK: Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO), Stand 48. Deutscher Psychotherapeutentag, Mai 2026 (abgerufen 18.10.2026)
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