Von der Redaktion psychotherapeut-werden.de · Stand: 19.10.2026

Der Quereinstieg zum Psychotherapeuten ist seit dem 1. September 2020 weitgehend verschlossen. Die Approbation setzt ein Studium von fünf Jahren voraus, Psychologie-Bachelor und Master an einer Universität oder gleichgestellten Hochschule.Q Wer vorher ein passendes Studium begonnen hat, kann die alte Ausbildung noch bis 1. September 2032 abschließen.
Für alle anderen gibt es keine Abkürzung, auch nicht mit Berufserfahrung in Sozialer Arbeit, Pädagogik oder Pflege. Das klingt hart, aber es hilft, die Optionen ehrlich zu sortieren. Es gibt genau vier Ausgangslagen.
Psychotherapeut im Quereinstieg: welche Wege es noch gibt
| Deine Ausgangslage | Weg | Bedingung |
|---|---|---|
| Psychologie, Pädagogik oder Sozialpädagogik vor dem 01.09.2020 begonnen | Ausbildung nach altem Recht (PP oder KJP) | Abschluss bis 01.09.2032, Härtefall bis 31.08.2035 |
| anderes Studium oder Beruf, Studienbeginn nach dem 31.08.2020 | polyvalenter Bachelor Psychologie, dann Master Psychotherapie | volles Studium von fünf Jahren, Berufserfahrung ersetzt keine Studieninhalte |
| Psychologie-Bachelor, der nicht approbationskonform ist | zweiter, polyvalenter Bachelor | Nachholen nach dem Abschluss meist ausgeschlossen |
| Interesse an Medizin | Medizinstudium und ärztliche Weiterbildung | eigener Berufsweg als ärztlicher Psychotherapeut |
Welche Zeile auf Dich passt, entscheidet vor allem ein Datum: der Beginn Deines ersten Studiums. Der Wegweiser fragt diese Punkte der Reihe nach ab.
Altrecht: wer vor dem 1. September 2020 angefangen hat
Das Übergangsrecht ist der einzige echte Quereinstieg, den es noch gibt. Wer das Studium vor dem 01.09.2020 begonnen oder abgeschlossen hat, kann die Altausbildung PP/KJP noch bis 01.09.2032 abschließen, im Härtefall bis 31.08.2035; in der praktischen Tätigkeit beträgt die Vergütung mindestens 1.000 Euro im Monat.Q Maßgeblich ist der Beginn eines Studiums, das in § 5 Abs. 2 des alten Psychotherapeutengesetzes genannt war (§ 27 Abs. 2 PsychThG). Ein Abschluss vor dem Stichtag ist nicht nötig, „begonnen oder abgeschlossen“ reicht.
Welche Studiengänge das sind, fasst das Landesprüfungsamt NRW in seinen Hinweisen vom 3. Juli 2026 zusammen. Für die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten braucht es einen Abschluss in Psychologie an einer Universität oder gleichstehenden Hochschule, der das Fach Klinische Psychologie einschließt. Für die Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten genügt auch ein Abschluss „in den Studiengängen Pädagogik oder Sozialpädagogik“. In NRW sind Master in Erziehungswissenschaften, Bildungswissenschaften und Sozialer Arbeit gleichgestellt, Fachhochschulabschlüsse sind für diesen Weg zulässig, Lehramtsstudiengänge nicht. Diese Auskünfte gelten laut Behörde nur für NRW. Wer in einem anderen Land ausgebildet werden will, sollte die dortige Praxis prüfen.
Zwei Details aus der Behördenpraxis sind für Quereinsteiger wichtig. In NRW kann der Master nach dem 1. September 2020 aufgenommen werden, wenn der maßgebliche Bachelor vorher begonnen wurde. Und das Regierungspräsidium Stuttgart nennt für Absolventen mit ausländischem Psychologie-Master, der das Fach Klinische Psychologie enthält, ebenfalls den Weg über § 27 PsychThG, „solange der Bachelorstudiengang vor 01.09.2020 begonnen wurde“.
Ein Sonderfall ist die Länderoption nach § 27 Abs. 2a: Länder können die alte KJP-Ausbildung auch für Studienanfänger zwischen dem 31. August 2020 und dem 31. August 2026 öffnen, wenn sie mit einem Master an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften verzahnt ist und für die regionale Versorgung gebraucht wird. Ob ein Land das umsetzt, ist in den von uns ausgewerteten amtlichen Quellen nicht belegt. Mehr dazu im Ratgeber Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut werden.
Unsere Einschätzung: Wer unter das Altrecht fällt, sollte jetzt planen, nicht 2030. Nach dem 1. September 2032 sind laut LPA NRW auch Wiederholungsversuche ausgeschlossen. Fristen, Härtefall und Vergütung in der praktischen Tätigkeit erklärt der Ratgeber zur Übergangsregelung bis 2032.
Soziale Arbeit, Pädagogik, Fachhochschule: Warum der Weg nach neuem Recht zu ist
Viele Quereinsteiger kommen aus der Sozialen Arbeit, der Heilpädagogik oder der Erziehungswissenschaft. Nach neuem Recht zählt das für die Approbation nicht. Das Gesetz verlangt ein Studium an Universitäten oder gleichgestellten Hochschulen (§ 9 Abs. 1 PsychThG). Den Master darf nur beginnen, wer einen festgestellten Psychologie-Bachelor oder einen gleichwertigen Abschluss hat.Q
Hessen formuliert das für Fachhochschulen am deutlichsten. Hessen: Abschlüsse von Hochschulen für angewandte Wissenschaften bzw. Fachhochschulen berechtigen nicht zur Prüfungszulassung; der Gleichwertigkeitsantrag kostet zwischen 100 und 500 Euro.Q Damit scheidet auch ein Psychologie-Bachelor an einer Fachhochschule als Grundlage aus. Wer mit einem FH- oder Privat-Bachelor in den Master will, findet die Einzelheiten im Ratgeber Mit FH-Bachelor in den Master Psychotherapie.
Was Dir Deine bisherige Ausbildung trotzdem bringt: Einige Universitäten werten eine Berufsausbildung im Bachelor-Auswahlverfahren. An der Universität Heidelberg zählen im Auswahlverfahren auch sonstige Leistungen wie eine Berufsausbildung: 90 % Auswahlverfahren: Abitur bis 30 P. + BaPsy-DGPs bis 20 P. + sonstige Leistungen (z. B. Berufsausbildung) bis 10 P. (max. 60 P.); 10 % Wartezeit (max. 7 Wartesemester); Vorabquoten Zweitstudium 2 %, Härtefälle 5 %, Internationale 8 %Q
Zweitstudium Psychologie: der lange, aber offene Weg
Wer schon einen Abschluss hat, bewirbt sich für den Psychologie-Bachelor meist als Zweitstudienbewerber. Dafür reservieren die Universitäten eine kleine Vorabquote. In Tübingen sieht die Platzvergabe im polyvalenten Bachelor zum Beispiel so aus: 90 % Hauptquote nur nach Abiturnote bis 60 P. + BaPsy-DGPs bis 20 P. (max. 80 P.); 10 % Wartezeit (max. 7 Wartesemester); 2 % ZweitstudiumQ Wie die Plätze innerhalb dieser Quote verteilt werden, regeln die Satzungen der Hochschulen. Eine Erleichterung sieht die Approbationsordnung nur an einer Stelle vor: Vor Studienbeginn abgeleistete Praktika können auf Antrag von der Hochschule auf das Orientierungspraktikum angerechnet werden.Q Ein Praktikum, das Du vor dem Studium gemacht hast, kann also beim Orientierungspraktikum helfen. Module ersetzt es nicht.
Wichtig bei der Wahl: Nicht jeder Psychologie-Bachelor führt zur Approbation. Er muss polyvalent beziehungsweise berufsrechtlich festgestellt sein. Was das bedeutet und woran Du ihn erkennst, steht unter polyvalenter Bachelor Psychologie. Für Berufstätige ist das Fernstudium verlockend, aber mehrere Anbieter führen nicht zur Approbation, wie der Ratgeber Psychologie im Fernstudium zeigt. Nach eigener Aussage nicht approbationskonform: IU Internationale Hochschule (Fernstudium), DHGS und Hochschule Fresenius (nicht zu verwechseln mit der Charlotte Fresenius Hochschule).Q
Wer schon einen Psychologie-Bachelor hat, der aber nicht approbationskonform ist, steht vor einem eigenen Problem. Das Nachholen fehlender Bachelorinhalte nach dem Abschluss ist in Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Thüringen ausdrücklich ausgeschlossen; der Gleichwertigkeitsbescheid kostet in Berlin 110 Euro, auch bei Ablehnung.Q Sicher ist dann nur ein zweiter, berufsrechtlich anerkannter Bachelor. Wie die Länder Gleichwertigkeitsanträge behandeln, steht im Ratgeber zum Gleichwertigkeitsbescheid nach § 9 Abs. 5. Ein Verwaltungsgericht hat einen solchen Fall im Eilverfahren entschieden: VG Bayreuth, Beschluss vom 12.02.2025 (B 8 E 25.81): vorläufige Zulassung zur psychotherapeutischen Prüfung im Eilverfahren nach parallel zum Master abgeschlossenem, berufsrechtlich anerkanntem Zweitbachelor; die Hauptsache ist offen.Q Eine Regel für alle lässt sich daraus noch nicht ableiten.
Medizin als Weg
Ärzte dürfen sich Psychotherapeut nennen und können den Zusatz „ärztlicher“ verwenden. Q Der Weg führt über das Medizinstudium und eine ärztliche Weiterbildung, etwa in Psychiatrie und Psychotherapie oder psychosomatischer Medizin und Psychotherapie. Für Quereinsteiger ist das kein kürzerer Weg, eher ein anderer Beruf mit eigener Zulassungshürde. Wie sich beide Berufswege unterscheiden, vergleicht der Ratgeber Ärztlicher Psychotherapeut werden.
Was nicht zur Approbation führt
Die Heilpraktikererlaubnis, beschränkt auf Psychotherapie, ist eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz (§ 1 Abs. 1 HeilprG). Sie ist keine Approbation, und den Titel Psychotherapeut darfst Du damit nicht führen. Die Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“ darf nur mit Approbation geführt werden; Ärzte dürfen den Zusatz „ärztlicher“ verwenden.Q Auch Weiterbildungen, Coachingausbildungen oder Zertifikatskurse ersetzen das Studium nicht, weil das Gesetz keinen anderen Zugang zur psychotherapeutischen Prüfung vorsieht.
Wie lange dauert der Quereinstieg nach neuem Recht?
Rechne mit mindestens zehn Jahren bis zum Fachpsychotherapeuten. Ein Beispiel: Du beginnst den polyvalenten Bachelor im Wintersemester 2027/28. Nach sechs Semestern folgt im Wintersemester 2030/31 der Master, die Prüfung liegt frühestens im Herbst 2032. Danach beantragst Du die Approbation. Die Weiterbildung dauert mindestens 60 Monate in Vollzeit, Du bist also frühestens im Herbst 2037 fertig.Q Jede Wartezeit auf den Bachelor- oder Masterplatz kommt dazu.
Mit Familie, Kredit oder Job ist das eine Lebensentscheidung. Der Zeit- und Kostenrechner rechnet Deinen eigenen Verlauf durch, mit Wartezeiten und Teilzeit.
Häufige Fragen
Kann ich mit Sozialer Arbeit noch Psychotherapeut werden?
Nach neuem Recht nicht. Die Approbation setzt einen Psychologie-Bachelor und einen Master an einer Universität oder gleichgestellten Hochschule voraus. Nur wer das Studium der Sozialpädagogik oder Pädagogik vor dem 1. September 2020 begonnen hat, kann noch die alte Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten machen, Abschluss bis 1. September 2032.
Reicht ein Master in Psychologie an einer Fachhochschule?
Nein. Das Studium muss an einer Universität oder einer gleichgestellten Hochschule stattfinden. Das hessische Landesamt sagt ausdrücklich, dass Abschlüsse von Fachhochschulen nicht zur psychotherapeutischen Prüfung berechtigen.
Kann ich fehlende Bachelor-Inhalte nachholen?
Nach dem Bachelorabschluss in der Regel nicht. Mehrere Länder schließen das Nachholen ausdrücklich aus, darunter Bayern und Baden-Württemberg. Sicher bleibt dann nur ein zweiter, polyvalenter Bachelor.
Wie lange dauert der Quereinstieg?
Wer neu anfängt, braucht fünf Jahre Studium bis zur Approbation und danach mindestens 60 Monate Weiterbildung für die Kassenzulassung. Das sind zusammen mindestens zehn Jahre, Wartezeiten nicht eingerechnet.
Ist der Heilpraktiker für Psychotherapie ein Quereinstieg?
Er ist ein eigener Weg mit einer Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz, aber keine Approbation. Die Berufsbezeichnung Psychotherapeut darfst Du damit nicht führen.
Quellen
- Psychotherapeutengesetz (PsychThG), § 1 Abs. 1, § 9 Abs. 1, § 27 Abs. 2, 2a, 3 (abgerufen 18.10.2026)
- Bezirksregierung Düsseldorf, Landesprüfungsamt: Hinweise zur Ausbildung nach dem PsychThG (altes Recht), Stand 03.07.2026 (abgerufen 19.10.2026)
- Regierungspräsidium Stuttgart: Psychotherapie, Ausbildung im Ausland, Abschnitt zur Übergangsregelung § 27 PsychThG (abgerufen 19.10.2026)
- Heilpraktikergesetz (HeilprG), § 1 Abs. 1 (abgerufen 18.10.2026)
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