Von der Redaktion psychotherapeut-werden.de · Stand: 20.10.2026

Wie viele Masterplätze Psychotherapie es bundesweit gibt, zählt keine Behörde. Aus den amtlichen Festsetzungen der Länder kommen wir für 2026/27 auf 2.694Σ Plätze an staatlichen und kirchlichen Universitäten (eigene Summe). Ob das zu wenig ist, ist umstritten: Bayern sieht kein Problem, Studierendenverbände sprechen von Mangel.
Dieser Artikel trennt sauber, was amtlich belegt ist, was Regierungen daraus schließen und was Verbände fordern. Eine eindeutige Antwort auf die Frage im Titel geben die Daten nicht her. Sie zeigen aber genau, wo es eng wird.
Was amtlich belegt ist: Bachelor- und Masterplätze je Standort
Die Länder setzen die Zahl der Studienplätze im ersten Fachsemester jedes Jahr fest, in Zulassungszahlenverordnungen oder in Satzungen der Hochschulen. Legt man Bachelor und Master derselben Uni nebeneinander, ergibt sich ein klares Bild. Eine Auswahl aus allen Teilen des Landes:
| Land | Universität | Bachelor-Plätze | Master-Psychotherapie-Plätze |
|---|---|---|---|
| Bayern | LMU München | 134Q | 75Q |
| Brandenburg | Uni Potsdam | 95Q | 60Q |
| Hessen | Goethe-Uni Frankfurt | 150Q | 90Q |
| Mecklenburg-Vorpommern | Uni Greifswald | 67Q | 45Q |
| Niedersachsen | Uni Osnabrück | 105Q | 60Q |
| Nordrhein-Westfalen | Uni Bonn | 120Q | 30Q |
| Nordrhein-Westfalen | RWTH Aachen | 116Q | 60Q |
| Nordrhein-Westfalen | Ruhr-Uni Bochum | 195Q | 95Q |
| Saarland | Uni des Saarlandes | 118Q | 60Q |
| Sachsen | TU Dresden | 120Q | 60Q |
| Sachsen-Anhalt | MLU Halle-Wittenberg | 91Q | 25Q |
| Sachsen-Anhalt | OVGU Magdeburg | 65Q | 30Q |
| Schleswig-Holstein | Uni Lübeck | 100Q | 40Q |
| Thüringen | FSU Jena | 125Q | 60Q |
In dieser Auswahl liegt der Master überall unter dem Bachelor, meist zwischen 40 Prozent und zwei Dritteln der Bachelorplätze (eigene Rechnung). Das gilt fast im ganzen Land. Mehr Master- als Bachelorplätze hat in unserer Datenbank nur die kirchliche KU Eichstätt-Ingolstadt mit 30Q Bachelor- und 45Q Masterplätzen. Besonders eng ist es in Bonn und Halle, wo der Master nur etwa ein Viertel der Bachelorplätze erreicht. In Halle ist die Auswahl entsprechend scharf: Zum Wintersemester 2026/27 lag die Grenze bei Note 1,1Q. Alle Standorte mit Quellen zeigt die Tabelle auf der Seite Master Psychotherapie.
Drei Einschränkungen gehören zu diesem Vergleich. Erstens sind an manchen Unis nur bestimmte Profile des Bachelors approbationskonform, die Bachelorzahl umfasst dann den ganzen Studiengang. Zweitens nehmen die Master auch Absolventen anderer Unis auf, auch von privaten Hochschulen. Drittens will nicht jeder Bachelorabsolvent in den klinischen Master.
Bundesweit: keine amtliche Zahl, nur Annäherungen
Die letzte Aussage der Bundesregierung stammt vom Dezember 2022. Sie sei davon „ausgegangen, dass 2 500 Studienplätze für den neuen Studiengang zur Verfügung stehen“; die Entwicklung deute darauf hin, „dass diese Zahl überschritten werden wird“ (Drs. 20/5106). Eine Kleine Anfrage zu den Masterplätzen haben wir in der laufenden Wahlperiode des Bundestags nicht gefunden.
Unsere Summe oben ist eine eigene Rechnung aus den Festsetzungen der Länder, für Berlin mit den Werten des Wintersemesters 2025/26. Sie liegt über der Zahl, mit der die Bundesregierung 2022 rechnete. Die Masterliste der Psychologie-Fachschaften-Konferenz (PsyFaKo) kommt nach unserer Auszählung auf mindestens rund 2.595 Plätze; das ist eine Verbandsangabe und passt zur Größenordnung.
Auf der anderen Seite der Rechnung fehlt genau die Zahl, auf die es ankommt. Wie viele Menschen jedes Jahr einen polyvalenten Bachelor abschließen, weist das Statistische Bundesamt nicht aus. Verfügbar sind nur breitere Werte. Destatis: 119.006 Studierende im Studienfach Psychologie im WS 2025/26; 12.491 bestandene Bachelorprüfungen Psychologie im Prüfungsjahr 2025 (alle Hochschularten); 6.028 Bachelor-Anfänger an staatlichen Universitäten bei 33.148 Bewerbungen im WS 2025/26.Q Die Zahl der Bachelorabschlüsse enthält auch Fachhochschulen und Studiengänge ohne Approbationsbezug und taugt deshalb nicht als Zahl der Masterbewerber.
Bayern: Die Staatsregierung sieht keinen Mangel
Die genaueste amtliche Länderantwort kommt aus Bayern. Auf eine Anfrage der Grünen antwortete die Staatsregierung im Sommer 2026 mit einer Tabelle. Die Kernaussage: Bayern 2025/26: 640 Bachelorplätze Psychologie und 360 Master-Psychotherapie-Plätze (Bamberg 45, Erlangen 75, LMU 75, Regensburg 45, Würzburg 75, Eichstätt 45); die Staatsregierung hält das Angebot für „der Nachfrage gerecht“.Q
Ihre Begründung ist nachvollziehbar und sollte fair wiedergegeben werden. Die 360 Plätze lägen über dem Bedarf, den die Psychotherapeutenkammer Bayern mit rund 350 Absolventen im Jahr angibt. Rechne man die weiteren 235 Plätze im allgemeinen Master Psychologie hinzu, stehe unter Berücksichtigung von Studienabbrüchen für jeden der 640 Bachelorplätze ein Masterplatz bereit. Bewerberzahlen ließen sich wegen Mehrfachbewerbungen nicht sinnvoll auswerten.
Unsere Einordnung: Rechnerisch kommen in Bayern auf 640 Bachelorplätze 360 Plätze im Master Psychotherapie, das sind 56 Prozent. Die Staatsregierung kommt nur deshalb auf einen Platz für jeden, weil sie den allgemeinen Master mitzählt, der nicht zur Approbation führt. Für jemanden, der Psychotherapeut werden will, ist das kein Ersatz. Die Linie ist übrigens alt: Schon 2015, vor der Reform, schrieb das Wissenschaftsministerium, von einem Mangel an Masterstudienplätzen könne „keine Rede sein“ (Drs. 17/8921).
Schleswig-Holstein: Plätze voll, aber kaum jemand nimmt an
Die zweite aufschlussreiche Antwort kommt aus Kiel. Schleswig-Holstein WS 2026/27: CAU Kiel Bachelor 98 / Master KLIPP 40, Uni Lübeck Bachelor 100 / Master KliPPs 40. Im WS 2023/24 nahmen nur etwa 15 Prozent der Zugelassenen den Masterplatz an.Q
Die Plätze waren besetzt, laut Landesregierung in Kiel 40 von 40, in Lübeck sogar 42 bei 40 Plätzen. Die niedrige Annahmequote spricht dafür, dass viele Bewerber mehrere Zusagen hatten und sich für eine entschieden. Wie viele am Ende ganz ohne Platz blieben, könne „nicht abschließend beantwortet werden“ (Drs. 20/1753). Genau diese Zahl fehlt überall.
Was die Studierendenverbände sagen
Die folgenden Zahlen sind Angaben von Verbänden und Petitionen, keine amtliche Statistik.
Unter dem Namen #Platzangst haben Psychologiestudierende im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP-S) seit 2020 für mehr Masterplätze geworben. Eine erste Online-Petition auf change.org hat 38.309 Unterstützer und ist geschlossen. Eine zweite, gemeinsam mit der PsyFaKo, sammelte von April 2023 bis April 2024 auf openPetition 7.857 Unterschriften und richtete sich an die Petitionsausschüsse aller Länder. Laut Plattform wurde sie nicht eingereicht.
Die Verbände argumentierten 2023 so: Im Jahr 2020 hätten noch rund 3.300 Masterplätze den Zugang zur Approbation ermöglicht, zum Wintersemester 2022/23 nur etwa 1.900, es fehlten „über 1200“ Plätze. Diese Zahlen stammen aus der Umstellungsphase, als viele neue Master erst aufgebaut wurden. Gefordert wurden ein Masterplatz für alle Bachelorabsolventen staatlicher Unis und eine Bedarfsplanung von Bund und Ländern.
Unsere Einordnung
Ein bundesweiter Mangel lässt sich mit den vorhandenen Zahlen weder beweisen noch widerlegen. Belegt ist, dass die Zahl der Masterplätze seit der Aufbauphase gestiegen ist und heute über dem liegt, was die Bundesregierung 2022 erwartet hat. Ebenso belegt ist, dass an fast jeder Uni weniger Master- als Bachelorplätze bestehen und dass einige Standorte nur mit sehr guten Noten zu erreichen sind.
Für Deine Planung heißt das: Rechne nicht damit, an Deiner Bachelor-Uni weiterstudieren zu können. Bewirb Dich breit, nutze Nachrückverfahren und Wartezeitquoten und kenne Deine Alternativen. Wie das konkret geht, steht in den Ratgebern Master-Bewerbung und Kein Masterplatz bekommen. Wer noch vor dem Bachelor steht, findet die Auswahlgrenzen im Psychologie-NC-Überblick.
Häufige Fragen
Gibt es zu wenige Masterplätze Psychotherapie?
Das lässt sich mit amtlichen Zahlen nicht beantworten, weil niemand zählt, wie viele polyvalente Bachelorabsolventen einen Platz suchen. Belegt ist: An fast jeder Uni mit beiden Angeboten gibt es weniger Master- als Bachelorplätze. Studierendenverbände sprechen von einem Mangel, die bayerische Staatsregierung hält das Angebot für ausreichend.
Wie viele Masterplätze Psychotherapie gibt es in Deutschland?
Eine amtliche Bundeszahl gibt es nicht. Die Bundesregierung ging 2022 von 2.500 Plätzen aus. Unsere eigene Summe aus den amtlichen Festsetzungen der Länder steht im Text und liegt darüber.
Was ist #Platzangst?
Eine Kampagne von Psychologiestudierenden im BDP und der PsyFaKo für mehr Masterplätze, mit zwei Online-Petitionen 2020 und 2023. Die zweite Petition wurde laut Plattform nicht bei den Landtagen eingereicht.
Warum sagen Bewerberzahlen so wenig über den Mangel?
Weil sich fast alle an mehreren Unis bewerben. In Schleswig-Holstein nahmen zum Wintersemester 2023/24 nur etwa 15 Prozent der Zugelassenen ihren Masterplatz an.
Quellen
- Deutscher Bundestag, Drs. 20/5106 (Antwort der Bundesregierung, 27.12.2022), S. 22 (abgerufen 19.10.2026)
- Bayerischer Landtag, Drs. 19/12476 „Master Psychotherapie und Weiterbildung in Bayern“ (20.07.2026), Tabelle 1; S. 8 (abgerufen 18.10.2026)
- Bayerischer Landtag, Drs. 17/8921 „Masterstudienplätze für Psychologiestudenten“ (18.12.2015) (abgerufen 18.10.2026)
- Landtag Schleswig-Holstein, Drs. 20/1753 (07.01.2024) (abgerufen 18.10.2026)
- BDP-S: Petition zur Masterplatzkampagne #Platzangst (abgerufen 18.10.2026)
- change.org: #Platzangst – Mehr Masterplätze für Psychologiestudierende in Deutschland! (abgerufen 19.10.2026)
- openPetition: #Platzangst – Für mehr Psychologie-Masterplätze an deutschen Universitäten (abgerufen 19.10.2026)
- PsyFaKo e.V.: Masterliste (Stand 2026) (abgerufen 19.10.2026)
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