Von der Redaktion psychotherapeut-werden.de · Stand: 23.10.2026

Statistik ist im Psychologie-Studium Pflicht, und zwar mit Gewicht: Die Approbationsordnung verlangt für die gesamte wissenschaftliche Methodenlehre mindestens 15 ECTSQ, und die Module Statistik I und II kommen in drei gelesenen Modulhandbüchern auf 15 bis 18 ECTS. Geprüft wird in den drei Beispielen per Klausur, in Marburg alternativ mündlich. Wer später in den Master will, sammelt mit Statistik zusätzlich Auswahlpunkte.
Wie viele Studierende an Statistikklausuren scheitern, dazu gibt es keine veröffentlichte Angabe, die sich zwischen Universitäten vergleichen ließe. Wir nennen deshalb keine Durchfallquote. Belegen lässt sich dafür, wie die Module aufgebaut sind und wo Statistik später zählt.
Wie viel Statistik schreibt die Approbationsordnung vor?
Anlage 1 der Approbationsordnung legt zehn Bereiche für den Bachelor fest. Die Tabelle zeigt sie mit den Mindest-ECTS, die Methodenlehre ist Nr. 9.
| Nr. | Bereich | mind. ECTS |
|---|---|---|
| 1 | Grundlagen der Psychologie für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten | 25 |
| 2 | Grundlagen der Pädagogik für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten | 4 |
| 3 | Grundlagen der Medizin für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten | 4 |
| 4 | Grundlagen der Pharmakologie für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten | 2 |
| 5 | Störungslehre | 8 |
| 6 | psychologische Diagnostik | 12 |
| 7 | allgemeine Verfahrenslehre der Psychotherapie | 8 |
| 8 | präventive und rehabilitative Konzepte psychotherapeutischen Handelns | 2 |
| 9 | wissenschaftliche Methodenlehre | 15 |
| 10 | Berufsethik und Berufsrecht | 2 |
| Summe hochschulische Lehre (Anlage 1) | 82 | |
Quelle: Approbationsordnung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (PsychThApprO), Anlage 1; §§ 13–15 (BGBl. I 2020, S. 469–472) (abgerufen 18.10.2026)
Der Mindestumfang gilt für den ganzen Bereich, nicht für Statistik allein. Nr. 9 nennt fünf Wissensbereiche: Geschichte der Psychologie und Psychotherapie, Methoden und Konzepte der Forschung, „deskriptive und Inferenz-Statistik sowie statistische Methoden der Evaluationsforschung“, die Planung und Durchführung wissenschaftlicher Studien und die Datenerhebung und Datenanalyse mit digitalen Technologien. Was die Universitäten daraus machen, schauen wir uns an drei Beispielen an. Das Gesamtbild der Inhalte beschreibt der Artikel Was im polyvalenten Bachelor drankommt, was der polyvalente Bachelor im Übrigen ausmacht, steht in einem eigenen Ratgeber.
Wie sieht Statistik im Bachelor aus?
Drei staatliche Universitäten, drei Modulhandbücher. Alle Angaben stammen aus den Handbüchern selbst.
| Universität | Module | Umfang | Prüfung |
|---|---|---|---|
| Bamberg (gültig ab WS 2025/26) | Statistik I und Forschungsmethoden (1. Semester), Statistik II (2. Semester) | 9 + 6 ECTS | jeweils Klausur, 90 Minuten |
| Marburg (ab WS 2026) | Statistik I (Basismodul), Versuchsplanung und Versuchsauswertung, Statistik II (Multivariate Verfahren, in der Regel 3. Fachsemester) | 9 + 6 + 6 LP | Klausur oder mündliche Prüfung |
| Duisburg-Essen (Einschreibung ab WS 23/24) | Methoden der Psychologie: Basismodul mit Statistik I (1. Semester), Aufbaumodul mit Statistik II (2. Semester) | 9 + 9 Credits | Klausur |
Die Summen: Bamberg 9 + 6 = 15 ECTS, wobei das erste Modul auch Forschungsmethoden enthält. Marburg kommt mit Statistik I und II auf 9 + 6 = 15 LP, mit der Versuchsplanung auf 21 LP. Duisburg-Essen liegt bei 9 + 9 = 18 Credits. Die Anlage 1 verlangt 15 ECTS für den gesamten Bereich, die Statistikmodule allein erreichen diesen Mindestwert oder übertreffen ihn.
Inhaltlich beginnen alle drei mit deskriptiver Statistik, Wahrscheinlichkeit und Hypothesentests. Das Marburger Handbuch nennt für Statistik I messtheoretische Grundlagen und Skalenniveaus, Signifikanztestung, einfache Regression sowie t-Tests und Varianzanalysen, auch mit Messwiederholung, jeweils parametrisch und nichtparametrisch. Duisburg-Essen beginnt mit den Prinzipien des Messens und Testens, dem Experiment, Korrelationen und einfachen inferenzstatistischen Verfahren wie dem t-Test. Bamberg nennt in Statistik I „Deskriptive Statistik, Messtheorie, bivariate Statistik, Wahrscheinlichkeitstheorie & Normalverteilung, Hypothesentestung“. Im zweiten Teil folgen Varianzanalysen, nichtparametrische Tests und Regression, in Marburg gehören multiple Regression, Mediationsmodelle und Strukturgleichungsmodelle zu Statistik II. Dazu kommt die Software: Bamberg erwähnt in Statistik I R und JASP, in Statistik II zusätzlich SPSS, mit dem auch das Wahlpflichtmodul Angewandte Statistik (Hausarbeit, 6 ECTS) arbeitet, Marburg R, SPSS und Mplus.
Der Aufwand ist beträchtlich. Marburg rechnet für Statistik I mit 9 LP insgesamt 270 Stunden: 120 Stunden Vorlesungen, 90 Stunden Übungen und 60 Stunden Prüfungsvorbereitung und Prüfung. Zwei Details aus den Handbüchern sind für Deine Planung wichtig. In Bamberg ist Statistik I und Forschungsmethoden Voraussetzung für Statistik II, wer im ersten Semester scheitert, rutscht also im zweiten mit. In Duisburg-Essen gilt für die Übung Datenanalyse eine Anwesenheitspflicht mit höchstens 20 Prozent Fehlzeit.
Was passiert, wenn Du Statistik nicht bestehst?
Das hängt vom Standort ab. Nach dem Ratgeber Statistik in der Psychologie: Drittversuch nicht bestanden beendet ein endgültig nicht bestandenes Pflichtmodul den Studiengang. Die Zahl der Versuche legen die Prüfungsordnungen fest: In Regensburg sind es danach zwei Wiederholungen, im polyvalenten Bachelor der FAU eine Wiederholung in der Grundlagen- und Orientierungsprüfung, in Bamberg ist die Wiederholung bis zur Höchststudiendauer unbegrenzt, sofern die Fachprüfungsordnung nichts anderes bestimmt. Wir geben das nach dieser Quelle wieder, maßgeblich ist immer die Ordnung Deines Studiengangs.
Wer die Klausur schon einmal nicht bestanden hat, sollte die Prüfungsordnung seines Standorts lesen, bevor er sich zum nächsten Termin anmeldet, und die Fachstudienberatung nutzen.
Warum Statistik beim Masterplatz Punkte bringt
Viele Universitäten vergeben ihre Plätze im Master Psychotherapie nach Punkten, und die Note allein entscheidet dort nicht. Die Statistik aus dem Bachelor spielt dabei eine Rolle, die man leicht übersieht. Die Tabelle zeigt, was einzelne Auswahlverfahren dafür vorsehen:
| Universität | Statistik im Auswahlverfahren |
|---|---|
| FU Berlin | 80 % nach Auswahlpunkten (max. 100: Note bis 60 Punkte, je 10 Punkte für mind. 15 LP Statistik, 10 LP empirisch-experimentelle Praktika, 7 LP Gesundheitspsychologie und fachbezogene Tätigkeit von mind. 6 Monaten und 200 Stunden), 20 % nach Wartezeit; keine Tests, keine GesprächeQ |
| Hildesheim | bei Überhang max. 100 Punkte: Bachelornote bis 75 Punkte, Zusatzpunkte bis 25 (10 für mind. 16 ECTS Statistik, 7,5 für mind. 8 ECTS empirisch-experimentelles Praktikum, 7,5 für je mind. 8 ECTS in den Grundlagenfächern); Los bei Gleichstand; kein GesprächQ |
| Osnabrück | max. 100 Punkte: Bachelornote bis 75 Punkte, Zusatzpunkte bis 25 (12 für mind. 22 ECTS Statistik/Forschungsmethodik, 8 für mind. 16 ECTS Testtheorie/Diagnostik, 5 für mind. 8 ECTS Pädagogische Psychologie); Los bei Gleichstand; kein GesprächQ |
| Marburg | 95 % Auswahlverfahren: Notenpunkte bis 60 + Statistik/angewandte Datenanalyse bis 30 + Berufspraktika im Bachelor (mind. 15 ECTS) 10 (max. 100 P.); Rest vermutlich WartezeitQ |
| Würzburg | Zweistufig: Eignungsverfahren nach Fachkriterien (u. a. mind. 15 ECTS Forschungsmethoden/Statistik, mind. 15 ECTS biologische Grundlagen/Neuropsychologie), danach Vergabe nach Durchschnittsnote des Bachelorabschlusses; Los bei GleichstandQ |
Am deutlichsten ist Marburg. Dort können nach der Satzung vom 25. März 2026 bis zu 40 Punkte für die fachspezifische Eignung vergeben werden, davon bis zu 30 für Statistik und angewandte Datenanalyse. Bei 15 ECTS gibt es 30 Punkte, bei 14 sind es 24, bei 13 sind es 18 und bei 12 nur noch 12. Ein Rechenbeispiel zeigt, was das bedeutet. Wer die Note 1,5 hat, bekommt 45 Notenpunkte. Mit 15 ECTS Statistik und mindestens 15 ECTS Berufspraktika im Bachelor sind es 45 + 30 + 10 = 85 Punkte. Fehlt ein ECTS-Punkt Statistik, sind es 45 + 24 + 10 = 79 Punkte. Der Grenzwert im Wintersemester 2026/27 lag bei 81 von 100 PunktenQ. Ein einziger ECTS-Punkt kann also über die Zulassung entscheiden, wohlgemerkt unter den Bedingungen dieses einen Jahrgangs.
Ein weiterer Punkt: Die Schwellen liegen nicht überall dort, wo die Pflichtmodule enden. In Marburg bringen Statistik I und II zusammen 9 + 6 = 15 LP, rechnerisch genau die Schwelle für die vollen 30 Punkte im eigenen Master. Osnabrück verlangt dagegen 22 ECTS Statistik und Forschungsmethodik für die vollen 12 Zusatzpunkte, und ob die Pflichtmodule Deiner Universität dafür reichen, rechnest Du am besten mit dem Modulhandbuch nach. Wahlpflichtmodule wie die Angewandte Statistik in Bamberg mit 6 ECTS können die Lücke schließen, sofern sie im Bachelor liegen und die Ordnung sie als Statistik wertet. Zwei Regeln erschweren es, im Nachhinein zu retten, was im Bachelor fehlt. Die FU Berlin wertet nur Leistungen aus dem qualifizierenden Abschluss, „zusätzliche, darüber hinaus gehende Leistungen werden nicht gewertet“, und verlangt den Nachweis über Transkript und Modulhandbuch. Marburg zählt nur Module, die „zum Zeitpunkt der Bewerbung bereits anerkannt“ und im Transcript of Records als solche ausgezeichnet sind. Welche Module als Statistik gelten, entscheidet jede Ordnung selbst. Hier lohnt der Blick in die Bewerbungsunterlagen, bevor Du Wahlmodule festlegst.
Unsere Einschätzung: Wer weiß, dass er in den Master will, sollte die Statistikmodule nicht auf das Minimum beschränken und früh klären, welche Universitäten Statistik werten. Wie das Bewerbungsverfahren insgesamt abläuft, erklärt der Artikel Bewerbung um den Master Psychotherapie, die Plätze und Auswahlgrenzen zeigt der Datenhub Master Psychotherapie. Wenn es mit dem Masterplatz nicht klappt, hilft der Artikel Kein Masterplatz in Psychologie weiter.
Häufige Fragen
Wie viel Statistik gehört zum Psychologiestudium?
Die Approbationsordnung schreibt für die gesamte wissenschaftliche Methodenlehre mindestens 15 ECTS vor, Statistik ist darin ein Wissensbereich neben Forschungsmethoden, Studienplanung und Datenanalyse. In den gelesenen Modulhandbüchern von Bamberg, Marburg und Duisburg-Essen kommen die Module Statistik I und II auf 15 bis 18 ECTS.
Wie wird Statistik im Bachelor geprüft?
In den drei gelesenen Modulhandbüchern mit Klausuren. In Bamberg dauern sie 90 Minuten, Marburg lässt Klausur oder mündliche Prüfung zu, Duisburg-Essen nennt eine Klausur. Das Wahlpflichtmodul Angewandte Statistik in Bamberg wird dagegen mit einer Hausarbeit abgeschlossen.
Was passiert, wenn ich die Statistikklausur endgültig nicht bestehe?
Das regelt die Prüfungsordnung Deines Standorts. Nach dem Ratgeber endgültig-nicht-bestanden.de beendet ein endgültig nicht bestandenes Pflichtmodul den Bachelor, die Zahl der Versuche unterscheidet sich je nach Universität.
Zählt Statistik für den Masterplatz Psychotherapie?
An mehreren Universitäten ja. Die FU Berlin vergibt 10 von 100 Auswahlpunkten für mindestens 15 Leistungspunkte Statistik, Marburg bis zu 30 Punkte für Statistik und angewandte Datenanalyse, Osnabrück 12 Zusatzpunkte für mindestens 22 ECTS Statistik und Forschungsmethodik.
Welche Statistiksoftware lerne ich im Studium?
In den Modulhandbüchern stehen R, SPSS, JASP und Mplus. Welche Programme Deine Universität einsetzt, steht im Modulhandbuch Deines Studiengangs.
Quellen
- Approbationsordnung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (PsychThApprO), Anlage 1, Nr. 9 (abgerufen 23.10.2026)
- Universität Bamberg: Modulhandbuch Bachelor Psychologie (B.Sc.), gültig ab Wintersemester 2025/26, S. 19 bis 22 und S. 64 (abgerufen 23.10.2026)
- Philipps-Universität Marburg: Modulhandbuch Psychologie B.Sc. (ab Wintersemester 2026), Module B-MP1 bis B-MP3 (abgerufen 23.10.2026)
- Universität Duisburg-Essen: Modulhandbuch Bachelor of Science Psychologie (Stand 09.03.2026), Modul 2 und Modul 7 (abgerufen 23.10.2026)
- Freie Universität Berlin: Zugangssatzung Master Klinische Psychologie und Psychotherapie (FU-Mitteilungen 14/2022), § 4 Abs. 3 bis 5 (abgerufen 23.10.2026)
- Philipps-Universität Marburg: Satzung für das hochschuleigene Auswahlverfahren im Master Klinische Psychologie und Psychotherapie (Amtliche Mitteilungen 15/2026), § 7 und § 8 (abgerufen 23.10.2026)
- Philipps-Universität Marburg: Auswahlgrenzen (abgerufen 23.10.2026)
- Universität Osnabrück: Zugangs- und Zulassungsordnung Master Klinische Psychologie und Psychotherapie (AMBl. 01/2023), § 6 (abgerufen 23.10.2026)
- endgültig-nicht-bestanden.de: Statistik in der Psychologie, Drittversuch nicht bestanden (abgerufen 23.10.2026)
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