Von der Redaktion psychotherapeut-werden.de · Stand: 03.11.2026

Der Testteil sozial-emotionale Kompetenzen im Aufnahmetest Psychotherapie besteht aus drei Untertests: Analogien mit Gefühlsbegriffen, die Beurteilung heikler sozialer Situationen und das Erkennen von Emotionen in Therapiesituationen. Laut Verordnung der Universität Innsbruck zählt er 9 Prozent des Gesamtwerts.
Neun Prozent klingt nach wenig, und im Vergleich zum Grundlagenwissen ist es das auch. Trotzdem lohnt sich die Vorbereitung, weil die Aufgaben nach festen Regeln funktionieren, die man kennen kann. Wer sie nicht kennt, verliert Punkte nicht aus mangelnder Empathie, sondern weil er zu viel in eine Situation hineinliest. Die offiziellen Beispielaufgaben mit Lösungserklärungen stehen in der Testbeschreibung auf psychotherapiestudieren.at.
Untertest 1: Sozial-emotionales Reasoning
Zwei Begriffe stehen in einer bestimmten Beziehung. Zu einem dritten Begriff suchst Du aus fünf Optionen den vierten, der zu ihm in derselben Beziehung steht. Die Begriffe stammen aus dem emotionalen und sozialen Bereich. Single Choice, genau eine Antwort ist richtig.
Ein eigenes Beispiel:
trösten : Trauer – beruhigen : ?
- A) Aufregung
- B) Ruhe
- C) Freude
- D) Schlaf
- E) Mut
Richtig ist A. Trösten richtet sich auf Trauer und soll sie lindern; beruhigen richtet sich auf Aufregung. B ist die typische Falle: Ruhe ist das Ergebnis des Beruhigens, nicht das Gefühl, auf das es sich richtet. Wer die Beziehung nur ungefähr erfasst („hat irgendwas mit beruhigen zu tun“), landet bei B.
Daraus folgt die wichtigste Technik für diesen Untertest: Sprich die Beziehung als Satz aus, bevor Du die Optionen ansiehst. „Trösten ist die Handlung, die Trauer lindert.“ Dann setzt Du den dritten Begriff ein: „Beruhigen ist die Handlung, die … lindert.“ Häufige Beziehungen sind Gegensätze, Steigerungen (etwa Ärger zu Wut), Handlung und Ziel, Ursache und Folge oder Gefühl und typischer Ausdruck. Je genauer Dein Satz, desto leichter fallen die Ablenker weg.
Untertest 2: Soziale Sensitivität
Hier liest Du kurze Situationen aus dem Alltag, aus psychotherapeutischen Zusammenhängen oder aus der Psychotherapieausbildung, in denen Interessen verletzt werden oder problematische Dynamiken entstehen können. Aus sechs Aussagen markierst Du alle, die die Situation angemessen beschreiben oder sich aus ihr zutreffend ableiten lassen. Eine bis sechs können richtig sein.
Laut Testbeschreibung geht es um moralisches Urteilen, um die Bereitschaft, Fehlverhalten und Grenzverletzungen zu erkennen, und um den Schutz von Persönlichkeitsrechten und eine professionelle Grundhaltung. Du sollst die Perspektive der Beteiligten einnehmen.
Ein eigenes Beispiel:
In einer Supervisionsgruppe stellt eine Ausbildungsteilnehmerin einen Fall vor. Dabei nennt sie den vollen Namen und den Arbeitgeber ihrer Patientin. Ein anderer Teilnehmer sagt halblaut: „Die kenne ich aus meinem Sportverein.“ Der Supervisor nickt und bittet, mit der Falldarstellung fortzufahren.
- A) Durch die Nennung von Namen und Arbeitgeber ist die Vertraulichkeit gegenüber der Patientin gefährdet.
- B) Der Teilnehmer, der die Patientin kennt, ist in einer schwierigen Doppelrolle.
- C) Weil die Gruppe geschlossen ist, ist die Namensnennung unproblematisch.
- D) Die Patientin hat sicher zugestimmt, dass ihr Fall so besprochen wird.
- E) Der Supervisor hätte die Besprechung unterbrechen können, um die Vertraulichkeit zu klären.
- F) Der Teilnehmer hätte seinen Sportverein verlassen müssen.
Richtig sind A, B und E. C verharmlost die Situation. D ist eine Annahme, für die der Text nichts hergibt. F verlangt vom Teilnehmer etwas, das sich aus der Situation nicht ergibt.
Für diesen Untertest helfen einige Prüffragen, die Du an jede Aussage anlegen kannst. Steht das so im Text oder lässt es sich klar daraus ableiten? Unterstellt die Aussage etwas, für das es keinen Hinweis gibt? Und: Schiebt sie die Verantwortung jemandem zu, dem sie nach der Situation nicht zukommt, etwa der betroffenen Person? Aussagen, die an der zweiten oder dritten Frage scheitern, sind in aller Regel falsch.
Untertest 3: Erkennen von Emotionen
Beschrieben wird eine Situation zwischen Patient und Therapeut. Du wählst zuerst die Emotion, die der Patient am wahrscheinlichsten empfindet, und danach die des Therapeuten. Jeweils fünf Optionen, genau eine ist richtig.
Ein eigenes Beispiel:
Ein Patient erzählt in der dritten Stunde zum ersten Mal von der Trennung seiner Eltern. Er spricht schnell, schaut dabei auf den Boden und fragt am Ende leise: „Ist das jetzt peinlich?“ Die Therapeutin beugt sich ein wenig vor und sagt ruhig: „Es klingt, als hätte Sie das sehr lange beschäftigt.“
Was empfindet der Patient beim Erzählen am wahrscheinlichsten? Zur Wahl stehen Scham, Ärger, Langeweile, Stolz und Erleichterung. Richtig ist Scham: Der gesenkte Blick, das schnelle Sprechen und die Frage nach dem Peinlichen deuten darauf hin. Erleichterung wäre am Ende denkbar, aber gefragt ist das Erleben beim Erzählen.
Was empfindet die Therapeutin am wahrscheinlichsten? Zur Wahl stehen Mitgefühl, Ungeduld, Belustigung, Enttäuschung und Angst. Richtig ist Mitgefühl: Sie wendet sich dem Patienten zu und greift seine Belastung auf. Für die anderen vier gibt es keinen Hinweis.
Lies bei diesen Aufgaben genau, nach welchem Zeitpunkt gefragt ist, und stütze Dich nur auf Hinweise im Text wie Körpersprache, Wortwahl und Handlungen. Liegen zwei Gefühle nah beieinander, etwa Scham und Schuld oder Stolz und Freude, frag Dich, worauf sich das Gefühl in der beschriebenen Situation richtet.
So bereitest Du Dich vor
Für das Reasoning hilft es, Deinen Wortschatz für Gefühle und soziale Handlungen zu erweitern und Begriffspaare zu üben. Bilde selbst Analogien und lass sie von jemand anderem lösen; beim Erklären merkst Du schnell, ob Deine Beziehung eindeutig ist.
Für die Soziale Sensitivität und das Erkennen von Emotionen eignen sich Fallvignetten aus Lehrbüchern, Berichte aus der Ausbildungspraxis oder auch Szenen aus Filmen. Beschreibe, was jede Person erlebt, und prüfe dann, welche Deiner Aussagen sich wirklich auf Hinweise stützen. Genau diese Disziplin, nur zu sagen, was die Situation hergibt, verlangen auch die Klientenaussagen im verbal-analytischen Teil.
Weil dieser Teil nur 9 Prozent zählt, solltest Du ihm nicht die Zeit des Grundlagenteils opfern. Einige Wochen mit kurzen, regelmäßigen Übungseinheiten reichen nach unserer Einschätzung, um das Format sicher zu beherrschen. Den Aufbau des ganzen Tests erklärt der Überblick Aufnahmetest Psychotherapie: Aufbau und Vorbereitung. Wer aus Deutschland antritt, sollte außerdem die Österreich-Quote im Master Psychotherapie kennen; Plätze und Andrang zeigt der Datenhub Master Psychotherapie in Österreich.
Häufige Fragen
Was wird im Testteil sozial-emotionale Kompetenzen geprüft?
In drei Untertests: Analogien mit emotionalen und sozialen Begriffen, die Beurteilung heikler sozialer Situationen und das Erkennen von Emotionen bei Patient und Therapeut.
Wie viele Antworten können bei der Sozialen Sensitivität richtig sein?
Eine bis sechs von sechs. Markiere alle Aussagen, die die Situation angemessen beschreiben oder sich aus ihr ableiten lassen.
Kann man sozial-emotionale Kompetenzen für den Test trainieren?
Das Format ja. Wer die Aufgabentypen kennt und weiß, nach welchen Regeln richtige Antworten gebildet werden, vermeidet typische Fehler wie unbelegte Annahmen.
Wie stark zählt dieser Testteil?
Laut Verordnung der Universität Innsbruck mit 9 Prozent des Gesamtwerts.
Quellen
- psychotherapiestudieren.at: Testinformationen und Beispielitems, Aufnahmetest 2026/27 (Version 2026-05-20), Testteil Sozial-emotionale Kompetenzen, S. 15–19 (abgerufen 02.11.2026)
Zahlen mit „Q“ stammen aus unserer Datenbank, jede mit eigener Quelle und Stand. Fehler entdeckt? Schreib uns.