Von der Redaktion psychotherapeut-werden.de · Stand: 03.11.2026

Der Testteil verbal-analytisches Verständnis im Aufnahmetest Psychotherapie besteht aus drei Untertests: Du beurteilst Argumente, erfasst die Kernaussage von Klientenäußerungen und beantwortest 9 Fragen zu einem deutschen Fachtext von etwa 550 Wörtern. Laut Verordnung der Universität Innsbruck zählt der Teil 15,75 Prozent des Gesamtwerts.
Damit hat er nach dem Grundlagenwissen das zweitgrößte Gewicht. Anders als dort gibt es keine Literatur zum Lernen. Was Du trainieren kannst, ist genaues Lesen und das Format der Aufgaben. Die offiziellen Beispielaufgaben mit Lösungen stehen in der Testbeschreibung auf psychotherapiestudieren.at.
Untertest 1: Verbale Einschätzungs- und Urteilsfähigkeit
Hier geht es darum, Aussagen und Argumente zu erkennen, ihre Funktion zu bestimmen und ihre Qualität zu beurteilen. Jede Aufgabe hat fünf Antwortoptionen. Es gibt drei Aufgabentypen, und jeder verlangt etwas anderes.
Aufgabentyp 1: Schlussfolgerung, Argument oder Gegenargument?
Zu einer kurzen Ausgangslage bekommst Du fünf Aussagen und sollst alle einer bestimmten Art markieren, etwa alle Schlussfolgerungen. Eine bis fünf können richtig sein. Ein eigenes Beispiel:
Eine psychosoziale Beratungsstelle überlegt, Erstgespräche künftig auch per Video anzubieten.
- Videogespräche ersparen Ratsuchenden auf dem Land lange Anfahrten. (unterstützendes Argument)
- Am Bildschirm lassen sich Anzeichen einer akuten Krise schwerer erkennen. (Gegenargument)
- Die Beratungsstelle bietet Videogespräche zunächst ein halbes Jahr lang probeweise an. (Schlussfolgerung)
Der Trick liegt in der Frage, was eine Aussage im Entscheidungsprozess leistet. Argumente und Gegenargumente sprechen für oder gegen die Idee. Eine Schlussfolgerung ist das, was nach dem Abwägen getan oder entschieden wird. Formulierungen wie „wird eingeführt“, „setzt ein, um …“ oder „zunächst testweise“ deuten oft auf eine Schlussfolgerung hin.
Aufgabentyp 2: Meinung oder Tatsache?
Hier unterscheidest Du Meinungen von Tatsachen. Die Testbeschreibung definiert eine Tatsache als grundsätzlich objektiv überprüfbare Information. Ob sie stimmt, spielt dafür keine Rolle; es kommt darauf an, ob man sie überprüfen könnte.
Bleiben wir bei der Videoberatung. „Einige Beratungsstellen bieten bereits Erstgespräche per Video an“ ist eine Tatsache. „Videoberatung ist unpersönlich“ ist eine Meinung. Knifflig wird es bei Sätzen wie „In einer Umfrage gaben viele Ratsuchende an, Videogespräche zu bevorzugen“. Das ist eine Tatsache, obwohl es um Vorlieben geht: Ob die Umfrage dieses Ergebnis hatte, lässt sich überprüfen. Achte also darauf, ob ein Satz eine Bewertung aufstellt oder über eine Bewertung berichtet.
Aufgabentyp 3: Die zwei stärksten Argumente
Aus fünf Argumenten und Gegenargumenten wählst Du die zwei stärksten. Hier sind immer genau zwei Optionen richtig, kreuze also nie mehr oder weniger an.
Was ein Argument stark macht, lässt sich aus den Lösungserklärungen der Universitäten ablesen: Stark ist ein Argument, das den Kern der Entscheidung trifft und für viele Betroffene gilt. Schwach sind Randbeobachtungen, Vorlieben einzelner Personen und Aussagen, aus denen sich weder ein Vor- noch ein Nachteil ableiten lässt. Ob ein Argument dafür oder dagegen spricht, ist dabei egal. Die zwei stärksten können ein Argument und ein Gegenargument sein.
Untertest 2: Was meint der Klient eigentlich?
Im zweiten Untertest liest Du die Aussage eines Klienten aus einer Therapiesitzung und wählst aus fünf Optionen die, die die psychologische Hauptbedeutung am präzisesten beschreibt. Das ist Single Choice: Genau eine Antwort ist richtig, auch wenn mehrere teilweise zutreffen. Gesucht ist die präziseste und am ehesten vollständige Deutung, die ohne zusätzliche Interpretation auskommt.
Ein eigenes Beispiel. Ein Klient sagt: „Seit der Beförderung arbeite ich noch länger. Mein Chef lobt mich dauernd, und eigentlich müsste ich mich freuen. Aber abends sitze ich oft im Auto vor dem Haus und will einfach nicht reingehen.“
- A) Er fürchtet, den Anforderungen der neuen Stelle nicht gewachsen zu sein.
- B) Er erlebt einen Widerspruch zwischen seinem beruflichen Erfolg und seinem inneren Befinden.
- C) Er hat Streit mit seiner Familie und meidet deshalb das Zuhause.
- D) Er ist stolz auf das Lob seines Chefs.
- E) Er denkt darüber nach, die Stelle zu kündigen.
Am besten passt B. A und C fügen etwas hinzu, das der Klient nicht sagt: Von Versagensangst oder Streit ist keine Rede. D greift nur einen Nebenaspekt auf und übersieht das „eigentlich“. E ist reine Spekulation. Die Faustregel: Die richtige Antwort fasst zusammen, was in der Aussage steht, und erfindet nichts dazu.
Untertest 3: Textverständnis
Zum Schluss liest Du einen deutschen Fachtext von etwa 550 Wörtern und beantwortest 9 Fragen dazu, jeweils mit fünf Optionen, von denen eine bis fünf richtig sein können. Die Fragen prüfen laut Testbeschreibung:
- implizite Schlüsse, die sich aus ausdrücklichen Aussagen ziehen lassen,
- ob vorgegebene Schlussfolgerungen mit dem Text vereinbar sind,
- ob Du Informationen aus verschiedenen, auseinanderliegenden Textstellen zusammenführen kannst,
- mögliche Ursache-Wirkungs-Beziehungen im Inhalt.
Dazu kommen Fragen, die mehrere dieser Aspekte verbinden. Daraus ergeben sich ein paar Regeln, die Dir im Test Punkte sichern.
Nur der Text zählt. Richtig ist, was sich aus dem Text ergibt, nicht, was Du aus dem Studium weißt. Eine Aussage kann fachlich stimmen und trotzdem falsch angekreuzt sein, wenn der Text sie nicht hergibt.
Achte auf Mengen- und Gewissheitswörter. „Einzelne“, „die meisten“, „alle“, „kann“, „zeigt“ und „legt nahe“ sind nicht austauschbar. Viele falsche Optionen machen aus einer vorsichtigen Aussage im Text eine absolute.
Verwechsle Zusammenhang nicht mit Ursache. Wenn der Text zwei Dinge gemeinsam erwähnt, folgt daraus nicht, dass das eine das andere bewirkt. Prüfe, ob der Text die Richtung ausdrücklich nennt.
Markiere beim Lesen. Weil einige Fragen Stellen aus verschiedenen Absätzen verbinden, hilft es, Zahlen, Namen und Kernbegriffe beim ersten Lesen zu markieren. Da der Test auf Papier läuft, geht das direkt im Text.
So bereitest Du Dich vor
Für die Argumentaufgaben eignet sich jede Debatte, die Du liest. Nimm einen Kommentar aus der Zeitung und sortiere seine Sätze: Was ist Tatsache, was Meinung, was Argument, was Schlussfolgerung? Welche zwei Argumente tragen den Text wirklich? Nach einigen Wochen erkennst Du die Funktion eines Satzes schneller.
Für die Klientenaussagen hilft es, Aussagen aus Fallbeispielen in einem Satz zusammenzufassen, bevor Du Antwortoptionen liest. Wer erst die eigene Zusammenfassung bildet, lässt sich von gut klingenden, aber zu weit gehenden Optionen weniger leicht verführen.
Für das Textverständnis trainierst Du am besten mit populärwissenschaftlichen und wissenschaftlichen Texten aus der Psychologie. Stell Dir nach jedem Absatz die Frage, was der Text ausdrücklich sagt und was er nur andeutet. Dieselbe Technik brauchst Du auch im Englischteil, der laut Testbeschreibung vergleichbar aufgebaut ist.
Übe unter Zeitdruck, damit Du im Test zügig von einem Untertest zum nächsten kommst. Den Aufbau des ganzen Tests und die Wertung erklärt der Überblick Aufnahmetest Psychotherapie: Aufbau und Vorbereitung, die Plätze je Standort zeigt der Datenhub Master Psychotherapie in Österreich. Der dritte Fähigkeitsteil, sozial-emotionale Kompetenzen, arbeitet ebenfalls mit kurzen Fallsituationen.
Häufige Fragen
Aus welchen Untertests besteht der verbal-analytische Teil des Aufnahmetests Psychotherapie?
Aus drei: verbale Einschätzungs- und Urteilsfähigkeit, verbal-analytisches Verständnis von Klientenaussagen und Textverständnis zu einem deutschen Fachtext.
Wie lang ist der Fachtext im Textverständnis?
Etwa 550 Wörter. Dazu gibt es 9 Fragen mit je fünf Optionen, von denen eine bis fünf richtig sein können.
Wie viele Antworten kreuze ich bei der Aufgabe zu den stärksten Argumenten an?
Genau zwei. Bei diesem Aufgabentyp sind immer genau zwei Optionen richtig.
Wie stark zählt der verbal-analytische Teil?
Laut Verordnung der Universität Innsbruck mit 15,75 Prozent des Gesamtwerts.
Quellen
- psychotherapiestudieren.at: Testinformationen und Beispielitems, Aufnahmetest 2026/27 (Version 2026-05-20), Testteil Verbal-analytisches Verständnis, S. 5–14 (abgerufen 02.11.2026)
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